Werden Sie durch Technologie wettbewerbsfähiger?
by John Lamb
John Lamb, Kolumnist für Logistics Europe, stellt die althergebrachte Frage.
Als die US-amerikanische Computerfirma Hewlett-Packard und das
britische Einrichtungshaus MFI Anfang dieses Jahres Lieferprobleme bekamen,
lag das an Unzulänglichkeiten der Supply Chain.
Beide Unternehmen führten ihr Versagen bei der Auslieferung der Produkte
an die Kunden auf Technologieprobleme zurück. Und sie kamen zu dem Schluss, dass technologische Mängel einen hohen Preis fordern, die Rentabilität
senken und den Ruf schädigen.
Aber ist auch das Gegenteil richtig? Kann Technologie Transport- und Logistikabläufen Wettbewerbsvorteile bringen? Technologieanbieter predigen
ihren Kunden das natürlich schon seit langem.
In den vergangenen Jahren ist eine Flut neuer Datenerfassungstechnologien
auf den Markt gekommen. Handheld-Geräte sind dank spezialisierter
Prozessoren, wie z. B. Xscale von Intel und Betriebssysteme wie Microsoft CE
und Palm OS, leistungsstärker geworden.
Durch die neuen Chips und Software-Anwendungen hängen Datenerfassungsgeräte in wesentlich geringerem Maße von Host-Computern
ab, wodurch Entwickler neue Funktionalitäten, wie z. B. farbige Displays
und Spracherkennung hinzufügen sowie mehr lokalen Speicherplatz und Verarbeitungsleistung bereitstellen konnten.
Die neuesten Modelle können Kundendatenbanken, Produktinformationen, Betriebsanleitungen, Karten, Fotos, Signaturen und Produktidentifikationsdaten enthalten, wodurch sie zu weitaus wertvolleren Geräten werden.
Zusammen mit drahtloser Kommunikation und kostengünstigen Peripherie-geräten, wie z. B. Drucker, kann die neueste Generation Handhelds
nicht nur schneller als jemals zuvor Informationen erfassen und zurück zum Hostsystem leiten, wodurch die Supply-Chain transparenter wird, sondern ermöglicht eine erhebliche Serviceverbesserung.
In Zukunft wird der Wettbewerb in der Supply-Chain eher durch die Serviceleistungen als durch den Preis bestimmt. Das ist jedenfalls die Meinung
von Nigel Montgomery, Director of European Research bei AMR Research.
Nach seiner Aussage besteht heute ein sehr hohes Interesse in der Verwendung von Datenerfassungstechnologien, um den Service zu verbessern.
„Unternehmen können eine Technologie verwenden, um einen Dienst
anzubieten, der sie von ihren Mitstreitern unterscheidet“, meint Montgomery.
Die dänische Brauerei Carlsberg verwendet bereits drahtlose Handheld-
Geräte für das Drucken von Rechnungen vor Ort bei der Auslieferung, die weitaus präziser sind als die vorherigen. Die Kommunikation in Echtzeit stellt sicher,
dass die Rechnungen alle aktuellen Preise und Rabatte enthalten, wodurch spätere Korrekturen vermieden werden.
Auf ähnliche Weise hat das britische Logistikunternehmen ANC drahtlose Scanning- und Drucksysteme installiert, um die Verfolgung der Ware
für die Kunden zu beschleunigen und eine signierte Bestätigung für Online-Lieferungen bereitzustellen. Das System verfolgt 150.000 Objekte pro Tag
und ANC erwartet, dass sich das System innerhalb von 5 Jahren bezahlt macht.
Entwicklungen wie diese werden sehr wahrscheinlich zunehmend zur Tagesordnung gehören, da die meisten Logistikfirmen, die immer noch Batch-Terminals älteren Datums verwenden, die auf dem DOS-Betriebssystem
basieren, auf moderne Systeme migrieren.
Montgomery erwartet eine Menge neuer Anwendungen, auf der Basis einer optimierten Funktionalität für die Identifikation von Produkten und schnelle Reaktion auf Informationen, die von ihnen zusammengetragen wurden. Maschinen
könnten z. B. mit Sensoren ausgestattet werden, die den Kunden einen Wartungs-bedarf melden und gleichzeitig einen Mitarbeiter informieren, damit dieser
den Wartungsdienst einplant.
Welchen Wettbewerbsvorteil ein Unternehmen durch eine solche Anwendung gewinnt und wie lange dieser anhält, ist schwer zu sagen. Die Einführung neuer Technologien ist meistens ein Nullsummenspiel. Wenn eine Firma durch
die Nutzung einer neuen Technologie einen Aufschwung erlebt, ziehen andere Firmen mit demselben System nach und machen den durch die Ersteinführung gewonnenen Vorsprung streitig.
Trotzdem sind natürlich die Unternehmen am prädestiniertesten für einen Wettbewerbsvorteil, die eine Technologie als erstes einführen, obwohl sie auch das größte Risiko tragen. Die meisten Anwender sind aber eher Mitläufer
als Vorreiter und warten ab, was die anderen tun, bevor sie eine Entscheidung treffen.
Das ist möglicherweise keine schlechte Strategie. Paradoxerweise erfordern
viele neue Technologien heutzutage eher ein Arbeiten miteinander als gegeneinander. Zurzeit setzen sich Zulieferer und Einzelhändler für eine Datensynchronisierung ein, um zu gewährleisten, dass Datenidentifizierungs-codes und Produktbeschreibungen elektronisch zwischen den Supply
Chain-Partnern übertragen werden können. Dieser Vorteil kann nur durch gemeinsam bestimmte Standards und allgemein gültige Abläufe umgesetzt werden.
Wie immer Sie auch zur Einführung neuer Technologien stehen, gar nichts zu unternehmen, ist keine Option. Gewinner können nur diejenigen sein, die bereit sind, fortlaufend auf Innovation zu setzten und nach Optimierungen zu suchen.
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